Dienstag, 21. November 2017
Sieben Gründe gegen KONRAD

StandortkonferenzDie geplante Abschaltung deutscher Atomkraftwerke bis 2022 lässt uns nicht aufatmen, sondern lenkt das Augenmerk auf die Hinterlassenschaften dieser Phase der Stromerzeugung.  Während hektisch und noch vor der parlamentarischen Sommerpause ein Standortauswahlgesetz für hochradioaktiven Müll auf den Weg gebracht werden soll, wird über die Verwahrung des radioaktiven Abfalls mit sog. vernachlässigbarer Wärmeentwicklung gar nicht mehr gesprochen. Dafür wird, ebenso hektisch, Schacht KONRAD weiter ausgebaut, obwohl sich die Probleme für einen Atommüllstandort KONRAD immer stärker abzeichnen. Schacht KONRAD ist nicht die Lösung! im Gegenteil, es kaschiert lediglich die Konzeptlosigkeit von Politik und Atomindustrie.

1. Schacht KONRAD wurde ohne Auswahlverfahren zum Atommüllstandort erklärt

Das geplante Standortauswahlgesetz sieht vor, dass vor der Bestimmung eines Atommüllstandortes für hochradioaktiven Müll, ein vergleichendes Auswahlverfahren stattfinden muss. Hierfür sollen Kriterien erarbeitet werden, die Sicherheitsstandards festlegen. Diese Standards müssten auch für KONRAD gelten. Stattdessen wurde die ehemalige Erzgrube KONRAD ohne wissenschaftliches und vergleichendes Auswahlverfahren zum Atommüllstandort bestimmt. Die Sicherheitsstandards wurden nicht im Vorfeld erarbeitet, sondern umgekehrt erstmal für KONRAD passend gemacht. Signifikantes Beispiel hierfür ist die Umklassifizierung des deutschen Atommülls von „radioaktiv“ in „wärmeentwickelnd“. 

2. Atommüll ohne Bestimmungsort - Konzeptlosigkeit

Es ist eine Illusion zu glauben mit einem Atomlager KONRAD wäre das Problem mit den sog. vernachlässigbar wärmeentwickelnden Abfällen in Deutschland gelöst. Es bliebe noch eine Menge  Atommüll übrig, der nicht in KONRAD eingelagert werden kann. Dazu gehört der Asse-Müll, falls er je geborgen wird, grafithaltige Abfälle aus Jülich, eine größere Menge uranhaltige Abfälle aus Gronau etc. Es müsste also mindestens ein drittes Lager gebaut werden.  Fakt ist, dass es nicht einmal eine Bestandsaufnahme über das Atommüllaufkommen in Deutschland gibt. Am Festhalten des „Ein-Lager-Konzeptes“ Schacht KONRAD (für Atommüll mit geringer Wärmeentwicklung) tritt die Konzeptlosigkeit von Politik und Atomindustrie zu Tage. KONRAD scheint lediglich noch dazu zu dienen diese Konzeptlosigkeit zu kaschieren.

3. Problem bei  der Sanierung des alten Bergwerks

Die Planungen für den Ausbau der Schachtanlage aus den 80er Jahren waren unrealistisch. Heute gilt die Erkenntnis, dass Atommüll nicht in alte Bergwerke eingelagert werden soll. KONRAD ist ein Bergwerk, das in den 60er Jahren abgeteuft wurde und aufwändig saniert werden muss. Es gibt Probleme mit der Statik und Rissen in den Schachtwänden, dadurch wird die Inbetriebnahme immer weiter nach hinten verschoben. Auch die finanziellen Annahmen haben sich als vollkommen unrealistisch erwiesen, zumal ein Ende der Sanierungsprobleme nicht abzusehen ist.

4. Wiederholung des Asse-II-Desasters

Auch wenn von Seiten des Bundesamtes für Strahlenschutz Parallelen zwischen KONRAD und Asse II immer geleugnet werden, weil die Asse ein Salzbergwerk sei und KONRAD eine Eisenerzgrube, können Analogien nicht geleugnet werden. Das Konzept für Schacht KONRAD ist das Gleiche wie für Asse II. Dabei gibt es nicht nur geologisch und physikalische Parallelen wie Wasserzutritt, Korrosion, sondern es waren dieselben Wissenschaftler und Behörden, die beide Bergwerke als Atommülllager befürwortet haben. Das Desaster in der Asse schein auch für Schacht KONRAD vorprogrammiert zu sein, daher müssen die Sicherheitsanforderungen für dieses Bergwerk vollkommen neu überdacht werden.

5. Kein Stand  von Wissenschaft und Technik

Bei einer Inbetriebnahme im Jahre 2021 wären die zugrundeliegenden Sicherheitsanalysen für das Atommülllager Schacht KONRAD dreißig Jahre alt. Wie hoffnungslos veraltet die zugrundeliegenden Modellrechnungen sind, wird allein dadurch deutlich, wenn man sich vor Augen führt, auf welchem Stand die Computertechnik Anfang der 90er Jahre war. Wenn heute im Rahmen des Standortauswahlgesetzes über höhere Sicherheitskriterien für hochradioaktive Abfälle diskutiert wird, müssen diese Maßgaben für alle anderen strahlenden Abfälle ebenso gelten. Der Fortschritt von Wissenschaft und Technik und der gesellschaftlichen Anforderungen an ein Atommülllager darf nicht einfach ignoriert werden, nur weil eine Genehmigung aus dem Jahre 2002 vorliegt.

6. Trocken ist nicht trocken

Das Bergwerk KONRAD ist zwar im Vergleich zu anderen Eisenerzbergwerken trocken, doch ist daraus nicht das Resultat abzuleiten, die Grube sei absolut trocken. Etwa 16 m3 salzhaltiges Grundwasser dringen täglich in KONRAD ein.  Das ist mehr als derzeit in Asse II. Nach der Schließung wird KONRAD ebenfalls absaufen und die Abfälle werden korrodieren, Radionuklide und chemisch-toxische Stoffe in Lösung gehen. Sie können über das Wasser an die Oberfläche gelangen, wenn die geologischen Barrieren versagen sollten.

7. Ewig ist nicht ewig

Zu den neusten Erkenntnissen von Wissenschaft- und Technik gehört, dass sich keine sicheren Aussagen zur Langzeitsicherheit machen lassen. Das gilt insbesondere für die Schachtanlage KONRAD, wo bestimmte Faktoren, die die Langzeitsicherheit beeinträchtigen könnten, gar nicht erst untersucht wurden. Dazu gehören zahlreiche Bohrungen auf Eisenerz, Öl und Gas aus den 30iger Jahren. Die geologische Barriere aus Ton wurde durchlöchert und es ist durchaus vorstellbar, dass genau hier die Radionuklide und chemisch-toxischen Stoffe, die sich im Grundwasser gelöst haben, an die Oberfläche gelangen.

Zu den Sicherheitsstandards von Atommülllagern muss die Möglichkeit der Rückhol- und Revidierbarkeit gegeben sein. Gerade das lässt aber das Konzept für Schacht KONRAD nicht zu.
 
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