Dienstag, 21. November 2017
Lieber nicht auf KONRAD bauen

Standortkonferenz 2013

Antonia Uthe und Peter Dickel  in Ahaus
Foto: aaa-West
(Fr., 14.06.13/UT) Letzte Woche reisten Antonia Uthe und Peter Dickel nach Ahaus und Duisburg, um auf Einladung der dortigen Anti-Atom-Initiativen über technische und konzeptionelle Probleme beim Ausbau von Schacht KONRAD zu informieren. Aktuell sind es vor allem die Sanierungspläne der Schachtanlage, die die vom Betreiber geplante Fertigstellung in immer weitere Ferne rücken. Während Menschen an den Zwischenlagern, Landessammelstellen und anderen Atommüllstandorten darauf hoffen, wenigstens ihren schwach- und mittelradio- aktiven Müll in absehbarer Zeit loszuwerden (Schacht KONRAD wird ihnen dafür immer wie- der in Aussicht gestellt) ist es mehr als fraglich, ob KONRAD jemals in Betrieb gehen wird. Das jedoch zieht weitreichende Konsequenzen für die Atommüllstandorte nach sich. Daher sind die Menschen dort gut beraten, sich gegen diese Scheinlösung KONRAD rechtzeitig zur Wehr zu setzen, um nicht am Ende auf dem Müll sitzen zu bleiben.

Info-Veranstaltung in Ahaus
Foto: aaa-West
Ahaus. Die meisten Leute, die sich zu der Informationsveranstaltung in einer Ahauser Gaststätte einfanden, gehörten zum Umfeld der Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“ e.V., die schon jahrzehntelang gegen Castortransporte in das sog. Zwischenlager Ahaus kämpft. Sie kennen sich aus. Zwar stand Schacht KONRAD die Jahre über nicht im Zentrum ihres Widerstandes, weil das Lager in Ahaus  1984 und 1990 zur Zwischenlagerung hochradioaktiven Mülls errichtet wurde - zumeist für  Brennelemente  aus dem AKW Hamm-Uentrop (u.a.). Ca. 350 Castorbehälter warten bereits in der  Lagerhalle darauf, dass sie - spätestens 2036, wenn die Genehmigung ausläuft - einem endgültigen Bestimmungsort zugeführt werden können.

2010 können durch eine Erweiterung der Betriebsgenehmigung auch schwach- und mittelradioaktivem Abfälle  aus dem Rückbau deutscher Atomkraftwerke in Ahaus zwischengelagert werden. Da diese Abfälle ganz anderes geartet sind,  mischt sich hier eine neue Komponente in den Atommüllpoker um Ahaus. Pikant dabei: die Genehmigung wurde mit dem Versprechen, der Müll komme nach KONRAD, nur bis 2020 erteilt. Bis 2021 wird aber mit Sicherheit kein Atommüll in KONRAD eingelagert und was wird dann aus Ahaus? Eine wilde Deponie für Atommüll? Ein ewiges Zwischenlager?

Duisburg. Seit 1985 betreibt die Gesellschaft für Nuklear-Service mbH (GNS) - die auch das sog. Zwischenlager in Ahaus betreibt - eine Konditionierungsanlage. Sie verarbeitet schwach- und mittelradioaktive Abfälle aus allen atomtechnischen Anlagen in ganz Deutschland. Weil Duisburg über kein Zwischenlager verfügt und weil  dieser Atommüll eigentlich keinen Bestimmungsort hat, wird er an irgendeinen Ort gefahren, wo er zwischengelagert werden kann, vorzugsweise Ahaus. Auf KONRAD werden sie nicht bauen können, das ist ihnen spätestens an unserem Informationsabend klar geworden.

Die Duisburger Atomfabrik liegt mitten in einem Wohngebiet. Ca. 3000 Menschen leben und arbeiten in unmittelbarer Nähe dieser Anlage. 3300 Tonnen radioaktives Material darf hier verarbeitet und gelagert werden. Es ist ein ständiges Anliefern und Versenden, sodass ein Vielfaches an radioaktiver Fracht quer durch Duisburg transportiert wird. „Die meisten Menschen hier wissen gar nicht, was in dieser Fabrik gemacht wird“, sagte uns Michael  vom AntiAtom-Bündnis-Niederrhein.

Spielzeuglaster mit kleinen Container
2012 wurde die Betriebsgenehmigung erweitert, das lässt mit noch mehr Transporten durch die Stadt rechnen. Das Bündnis organisierte daraufhin ein Straßenfest, um die Anwohner über die Probleme zu informieren. Wenn zwölf Atommüllfässer in einen Container passen, dann sind es bei 3300 Tonnen insgesamt 260 Behälter, die zur Verarbeitung angeliefert werden können. Für das Straßenfest hat Michael einen Spielzeuglaster mit einem kleinen Container aus Holz gebastelt. 260 kleine Holzcontainer hat er daneben aufgestapelt. „Eine gute Methode um mit den Menschen am Infostand  ins Gespräch zu kommen“, erzählte er. Und sein Fazit nach dem Vortrag über KONRAD: „Ich weiß jetzt etwas mehr, aber ich bin auch um einiges besorgter.“

In Duisburg müssen die Gefahren, die von der Atomfabrik ausgehen, den Anwohnern noch viel präsenter werden. Hierin sieht das AntiAtom-Bündnis momentan seine vorderste Priorität.

Es gibt ca. 60 Atommüllstandorte in Deutschland. Vielen Anwohnern wird suggeriert, dass sie den Müll in absehbarer Zeit in KONRAD loswerden, aber KONRAD ist nicht die Lösung. Wer sich selber ein Bild davon machen möchte, wer sich bessere Argumente für den eigenen Standort erarbeiten möchte, ist herzlich zur Standortkonferenz KONRAD am 22. Und 23. Juni 2013 nach Salzgitter-Bleckenstedt eingeladen. Näheres siehe Flyer .

 
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