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Mittwoch, 22. November 2017
„Wer nicht aufpasst, bekommt den Müll“
Standortkonferenz 2013
Antonia Uthe und Silke Westphal von der Fachgruppe Konrad
(Mo.,01-07-13/Ut). Während derzeit ein Standortauswahlgesetz für hochradioaktiven Müll über die bundespolitische Bühne gebracht wird, ist die öffentliche Debatte um schwach- und mittelradioaktive Abfälle verstummt. Es scheint, als sei dieses Problem seit der gerichtlichen Genehmigung von Schacht KONRAD zum Atommülllager ein für alle Mal gelöst. Dass dieses Problem brisanter denn je ist, wurde auf der Standortkonferenz in Salzgitter-Bleckenstedt, zu der die Fachgruppe Schacht KONRAD am vergangenen Wochenende einladen hatte, sehr schnell deutlich.

Fast aus der ganzen Bundesrepublik waren Anwohner von Atommüllstandorten zu diesem Treffen in Bleckenstedt angereist, um gemeinsam mit Bürgern vor Ort, Wissenschaftlern und Vertretern aus Gewerkschaft, Landwirtschaft und Kommunalpolitik, die aktuelle wissenschaftliche, technische und politische Sachlage aus unterschiedlichen Perspektiven heraus zu erörtern und zu vertiefen. Ziel dieser Veranstaltung sollte eine Initialzündung sein, die vernachlässigte Debatte um den sogenannten „vernachlässigbar wärmeentwickelnden“ Müll neu zu entfachen.

Jürgen Hirschmüller(2. v. li), Vorsitzender des Landvolkes der Region Braunschweig beim Frühstücksgespräch am Sonntag
„Wer nicht aufpasst, bekommt den Müll“, sagte Jürgen Hirschfeld, Vorsitzender des Landvolkes der Region Braunschweig beim Frühstücksgespräch am Sonntag. Damit brachte er die Willkür auf den Punkt, mit der Politik und Atomlobby Atommüll einfach irgendwo lagern wollen. Als „Haupt-Irgendwo“  ist von Politik und Atomindustrie die alte Eisenerzgrube KONRAD vorgesehen. Für Schacht KONRAD gab es jedoch weder ein Auswahlverfahren, noch wurden vorher unumstößliche Sicherheitskriterien festgelegt. Im Gegenteil, die Sicherheitsstandards wurden an die  Gegebenheiten von KONRAD angepasst. Das rächt sich jetzt, wie auf der Standortkonferenz bereits im Einführungsreferat klar wurde. Neben aktuellen Schwierigkeiten bei der Sanierung der alten Schachtanlage, geologischen Unwägbarkeiten usw. die mit KONRAD ein vergleichbares Desaster wie in Asse II, vorhersagen lassen, würde  KONRAD bei weitem nicht ausreichen, die bereits vorhandene Menge schwach- und mittelradioaktiver Abfälle in Deutschland einzulagern. Ein zweites Lager ist nicht vorgesehen.

In einem Fachworkshop am Nachmittag wurden unter Leitung des Physikers Wolfgang Neumann von der INTAC-Hannover Einlagerungsbedingungen diskutiert, die derzeit hinter den Kulissen stattfinden und den Betreibern große Probleme bereiten: die Umsetzung der wasserrechtlichen Erlaubnis, die Zulassung von Einlagerbehältern oder die Logistik der Einlagerung.

Parallel dazu setzten sich Teilnehmer eines Strategieworkshops damit auseinander, wie in unterschiedlichen Bereichen der Widerstand am wirkungsvollsten sichtbar gemacht und vernetzt werden kann.

Schacht KONRAD wurde im sogenannten Atomkonsens von 2001 als Lager für mittel- und schwachradioaktiven Müll beschlossen und nach einem gerichtlichen Verfahren genehmigt. Dieser Konsens wurde allein zwischen der damaligen Bundesregierung und den Atomkraftwerkbetreibern ausgehandelt. Eine gesellschaftliche Debatte mit den Bürgern fand nicht statt.

Die Forderung nach einer gesellschaftlichen Debatte stand auch im  Fokus des Frühstückgesprächs am Sonntag, das Peter Dickel von der AG Schacht KONRAD moderierte. Neben Jürgen Hirschfeld waren, Frank Klingebiel Oberbürgermeister von Salzgitter, Wolfgang Neumann als Wissenschaftler und Dirk Seifert, Energie-Fachreferent von Robin Wood dazu geladen.

Als Fazit lässt sich sagen, dass es bei der Debatte um Atommüll nicht zuerst um Standorte gehen kann.  Es geht  auch nicht allein darum das Projekt KONRAD und damit ein neues Desaster zu verhindern, sondern den Menschen an allen Atommüllstandorten muss bewusst werden, dass sie mit dem Atommüll noch lange Zeit leben müssen. Atommüll ist eine unheilbare Krankheit. Es gibt keine Hoffnung sie loszuwerden, keine Möglichkeit sie zu verstecken, nur den Weg sich damit auseinanderzusetzen um die Lösungen zu finden, die die Krankheit am erträglichsten machen.

 
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