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Freitag, 23. Februar 2018
Kinderkrebs um Atomkraftwerke

(IPPNW-PI) Die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW kritisiert einen Beitrag des Deutschen Kinderkrebsregisters im „Deutschen Ärzteblatt“ vom 17. Oktober über Leukämien in der Umgebung von Atomkraftwerken als irreführend und in Teilen als „sachlich falsch“.

Gleich im zweiten Satz der Zusammenfassung des Beitrages mit dem Titel „Leukämien bei unter 5-jährigen Kindern in der Umgebung deutscher Kernkraftwerke“ heißt es wörtlich: „Diskutiert wird, ob in der Nähe von Kernkraftwerken erhöhte Leukämieraten auftreten.“

„Diese Darstellung ist falsch. Es wird nicht mehr diskutiert, ob in der Nähe von Kernkraftwerken erhöhte Leukämieraten auftreten. Es ist vielmehr wissenschaftlich bewiesen und inzwischen völlig unstrittig, dass Kinder umso häufiger an Krebs und Leukämie erkranken, je näher sie an einem Atomkraftwerk wohnen. Die IPPNW erwartet von dem an der Universität Mainz angesiedelten Deutschen Kinderkrebsregister eine Richtigstellung“, so Reinhold Thiel von der IPPNW. „Den wissenschaftlichen Beweis für die stete Zunahme von Krebsfällen mit zunehmender Nähe zu den Atommeilern haben die Autoren dieses Beitrages im Deutschen Ärzteblatt sogar selbst mit einer außergewöhnlich aufwändigen wissenschaftlichen Studie geliefert, die von vielen Fachleuten gelobt wird.“

„Es ist ein bemerkenswerter Vorgang, wie die Wissenschaftler Dr. Peter Kaatsch, Dr. Claudia Spix, Irene Jung und Professorin Maria Blettner beharrlich versuchen, ihre eigenen eindeutigen Forschungsergebnisse durch zweifelhafte Veröffentlichungen zu vernebeln“, so Thiel. „Das Deutsche Kinderkrebsregister ist schon in der Vergangenheit dadurch aufgefallen, dass es der Atomindustrie keine Steine in den Weg legen wollte.“

Laut IPPNW ist auch die Darstellung in dem beanstandeten Beitrag „eindeutig falsch“, man würde hinsichtlich der Ursachen für die Krebserkrankungen um die Atomkraftwerke völlig im Dunkeln tappen. Die Ärzteorganisation weist darauf hin, dass man bereits im Rahmen der so genannten KiKK-Studie andere Ursachen als die Kernkraftwerke ausschließen konnte. Mit einer zusätzlich durchgeführten Fall-Kontrollstudie sei nämlich geprüft worden, ob sich die Krebserkrankungen beispielsweise durch Pestizide oder durch eine Vielzahl anderer möglicher Einflussfaktoren (Confounder) erklären lasse. Ein solcher Confounder sei aber nicht gefunden worden. Das Deutsche Kinderkrebsregister habe festgestellt, dass allein der Abstand zu den Atomkraftwerken signifikante Ergebnisse lieferte.
Nach Angaben der IPPNW stand bei der KiKK-Studie des Deutschen Kinderkrebsregisters explizit ein möglicher Ursachenzusammenhang zwischen der Radioaktivität aus Kernkraftwerken und den Krebserkrankungen auf dem Prüfstand. Das gehe unmissverständlich aus einer Publikation des Mainzer Kinderkrebsregisters aus dem Jahr 2006 hervor. Darin heiße es zur Methodik der Studie, dass der individuelle Abstand des Wohnhauses der an Krebs erkrankten Kinder als Ersatzgröße („Surrogat“) für die individuelle Strahlenexposition herangezogen werde.

„Die Nähe zu den Atomkraftwerken war in der Studie also der entscheidende Parameter als Nachweis für den Einfluss der Radioaktivität“, erläutert Thiel, der mit seinen Aktivitäten vor Jahren die KiKK-Studie maßgeblich mit auf den Weg gebracht hat. „Da die Studie zu dem Ergebnis kam, dass Kinder umso häufiger an Krebs und Leukämie erkranken, je näher sie an einem Atomkraftwerk wohnen, muss nach wissenschaftlichem Ermessen davon ausgegangen werden, dass die radioaktiven Freisetzungen aus den deutschen Atommeilern die Krebs und Leukämieerkrankungen verursachen.“
 
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