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Freitag, 23. Februar 2018
Vor 30 Jahren: Mehrheit in Österreich stimmt gegen Atomenergie

(05-11-08 / U.S.) Am 5. November 1978 lehnte die Mehrheit der Österreicher in einer Volksabstimmung die Inbetriebnahme des ersten österreichischen Atomkraftwerks Zwentendorf ab.

In den darauffolgenden Jahren versuchten Atomkraftbefürworter immer wieder, die Inbetriebnahme Zwentendorfs doch noch durchzusetzen. Die Katastrophe von Tschernobyl zementierte jedoch die Ablehnung in Österreich gegen die Atomenergie. Das Ergebnis war knapp, aber es reichte: 1.606.308 Menschen stimmten gegen die Inbetriebnahme von Zwentendorf, 1.576.830 Menschen dafür. Der Abstimmung vorausgegangen waren massive Proteste, insbesondere der Waldviertler Bauern. Damals regierte die SPÖ unter Bruno Kreisky mit absoluter Mehrheit in Österreich. Vor dem Hintergrund der Proteste wollte Kreisky die Verantwortung für die Inbetriebnahme Zwentendorfs nicht alleine der SPÖ anlasten. Eine Zweidrittelmehrheit im Parlament sollte erst die Lösung bringen. Die ÖVP zog jedoch nicht mit. Sie forderte als Voraussetzung für ihr Ja erst eine Lösung der Endlager-Frage. Daraufhin nahm die Österreichische Regierung Verhandlungen mit anderen Staaten über einen Export der abgebrannten Brennelemente auf. Doch Washington, Bonn, Paris, London, Ost-Berlin, Moskau - alle winkten ab. Allein Peking wäre dazu bereit gewesen - damit traute sich die Regierung jedoch nicht in die Öffentlichkeit.

Den Ausweg sah Bruno Kreisky im Juni 78 in einer Volksabstimmung. Um ein Ja durchzusetzen drohte er im Falle eines Scheiterns der Volksabstimmung sogar mit seinem Rücktritt. Aber auch das half ihm nichts. 50,5 % stimmten gegen Zwentendorf. Damit waren ca. 14 Mrd. Schilling (ca. 1 Mrd. Euro) in den Sand gesetzt worden.

Seit der Katastrophe von Tschernobyl betreibt die Österreichische Regierung sowohl innerhalb der EU, als auch gegenüber den unmittelbaren Nachbarstaaten eine deutliche Anti-Atom-Politik. Ob Mochovce (Slowakei), Temelin (Tschechien) oder damals die WAA Wackersdorf (Deutschland) - Österreich versucht mit wissenschaftlichen Gutachten und diplomatischen Mitteln gegen Atomprojekte zu intervenieren, die Auswirkungen auf die Menschen im Gebiet Österreichs haben könnten.

Übrigens - zurückgetreten ist Bruno Kreisky damals nicht.

 

 
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