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Donnerstag, 21. Juni 2018
Tschernobyl - Die Atomruine bekommt einen neuen ‚Sarkophag‘

(Di.,22.11.16/MN) 30 Jahre nach der Reaktorkatastrophe wird der bisherige Sarkophag ersetzt. Bei der Reaktorkatastrophe am 26.04.1986 zerstörte in der Nacht um 1.23.58 Uhr eine Serie von Explosionen Reaktor und Gebäude des 4.Energieblocks im AKW Tschernobyl. Schon frühzeitig Mitte der 90er Jahre, 10 Jahre nach der Katastrophe war deutlich, dass der eilends nach der Katastrophe bis November 1986 errichtete Sarkophag ersetzt werden muss. Unter dem kaum als Schutzhülle zu bezeichnenden Sarkophag befinden sich ca. 190 Tonnen Uran, Strontium, Caesium und Plutonium, bei deren Zerfall zum Teil noch gefährlichere Isotope frei werden. Die Halbwertzeiten schwanken zwischen 14 und 6537 Jahren. Mithilfe der sog. Liquidatoren (insgesamt gab es lt. WHO ca. 600.000 - 800.000 Menschen), wurde eine provisorische Schutzhülle aus Sand und Blei aufgebaut, auf die dann 7.000 Tonnen Stahl und mehr als 400.000 Kubikmeter Beton auf den havarierten Reaktor aufgetürmt wurden. Von den Liquidatoren sind inzwischen mehr als ein Viertel tot.

Der neue Sarkophag oder auch New Safe Confinement (NSC) wurde mithilfe eines internationalen Konsortiums bestehend aus 40 Geberländern finanziert. Der dafür notwendige Finanztopf wird verwaltet von der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD).

Die Fakten zum neuen Sarkophag, der für 100 Jahre den Austritt von Strahlen aus dem havarierten Kraftwerk verhindern soll:

Baudauer: 4 Jahre / bis Ende November 2016 (geplant 29.11.2016)
Material: 25.000 Tonnen Stahl (dreimal so viel wie der Eiffelturm), mit Unterbau sogar mehr als 30.000 Tonnen, eine halbe Million Schraubbolzen

Fläche: 86.000 Quadratmeter (entspricht zwölf Fußballplätzen)

Maße des Stahlbogens: 110 Meter Höhe, 165 Meter Länge und 257 Meter Breite (unter dem die Pariser Kathedrale Notre Dame Platz hätte)

Kosten: ca.2 Mrd. Euro / 94 Prozent der Kosten finanziert durch das Ausland

Auf Spezialschienen wird die mehr als 36.000 Tonnen schwere Konstruktion zu dem etwa 330 Meter entfernten Reaktor geschoben (Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa zehn Metern pro Stunde). Doch die radioaktive Gefahr ist damit laut Experten noch keineswegs dauerhaft gebannt.
"Tschernobyl ist eine ganz andere Kategorie: Da liegt irgendwo Kernmaterial zusammengeschmolzen in unbekannten Mischungen und in irgendwelchen Stockwerken", sagt Walter Tromm, Sprecher des Programms Nukleare Entsorgung, Sicherheit und Strahlenforschung in Karlsruhe: "Auch wissen wir nicht, wo die Brennelemente sind. Die Unsicherheiten sind enorm."

Fazit: Ein gigantisches Bauwerk – aber muss man nicht besorgt fragen, ob nicht in 100 Jahren ein noch gigantischerer Sarkophag III mit viel Geld gebaut werden muss, um nachwievor zu versuchen, die Welt vor der tödlichen Strahlung der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl zu schützen?

Quellen:

http://www.zeit.de/wissen/2016-11/tschernobyl-sarkophag-atomkraft-stahl-beton

http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/europa/europastaaten/856267_Tschernobyl-bekommt-neuen-Sarkophag.html
http://www.nachrichten.at/nachrichten/weltspiegel/Edelstahl-Sarkophag-fuer-Atom-Ruine-in-Tschernobyl;art17,2405873
 
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