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Dienstag, 21. August 2018
Deutsch-russische Atom-Kooperation verzögert sich

(19-05-09 / U.S.) Im März verkündeten Siemens und die russische Rosatom mit großem Zeremoniell eine strategische Zusammenarbeit beim Reaktorbau. Ein neues Gemeinschaftsunternehmen sollte Weltmarktführer im Reaktorbau werden. Doch die Unterzeichnung eines formellen Vertrages verzögert sich. Die geplante Unterrichtung des Siemens-Aufsichtsrates Ende April verschwand wieder von der Tagesordnung. 

Es gibt viele Gründe für die Verzögerungen. Allen voran stehen die mageren "Erfolge" beim AKW-Bau in Rußland selbst. Vollmundig verkündete Neubauprogramme endeten im Nichts. Ein Beschluß von 2001, der 60 Neubauprojekte vorsah wurde erst gar nicht in Angriff genommen. 2006 kam ein neuer Beschluß: Bis 2015 sollen 10 neue Raktoren in Betrieb gehen und nochmal 10 in Bau sein. Derzeit sind in der offiziellen Liste der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) acht Reaktoren in Rußland als "im Bau" vermerkt. Vier davon sind Baustellen aus den 80er Jahren. Zwei davon sind Mini-Reaktoren für das schwimmende Atomraftwerk"Akademik Lomonossow". Der Bau dieses Schiffes wurde im Sommer 2008 gestoppt. Nun schlägt auch noch die Wirtschaftskrise in Rußland zu und stellt die ambitionierten Ausbaupläne völlig in Frage.

Schaut man hinter die Kulissen der ganzen internationalen Renaissance-Propagande bleibt eben in den wenigsten Fällen viel übrig. Ohne Erfolge auf dem heimischen Markt steht jedoch auch das Exportgeschäft für Rosatom und damit die Kooperation mit Siemens in Frage.

Doch auch der gegenwärtige Partner von Siemens, die französische Areva, will dem geplanten Unternehmen einen Strich durch die Rechnung machen. In den Verträgen zwischen Siemens und Areva gibt es eine Konkurrenzausschlußklausel. Die verbietet es Siemens, sich nach dem Ausstieg aus Areva am Neubau von Atomkraftwerken zu beteiligen, wenigstens für eine bestimmte Zeit. Der Ausstieg von Siemens bei Arvea wird erst im Januar 2012 wirksam. Areva hat bereits jetzt bei der Internationalen Handelskammer Klage gegen das geplante Gemeinschaftsunternehmen von Siemens und Rosatom eingelegt.

Wenig Anstoß nimmt Siemens an dem katastrophalen Zustand der russichen Atomindustrie. Während die russische Atomaufsicht auf große Sicherheitsdefizite in den veraltete Reaktoren und geringe Fachkenntnis bei den Beschäftigten hinweist hält Siemens-Chef Löscher die Atomkraftwerke in Russland für "absolut sicher".

 

 
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